In der heutigen FAZ gab das Blatt ein Interview mit dem Chef der Douglas-Holding, Henning Kreke, zum besten.
Kreke wurde zu den Aussichten des Douglas-Konzerns (Juwelier Christ, Thalia-Buchhandlungen, Douglas-Parfümerien, Hussel Süßwaren und die Bekleidungshäuser Appelrath-Cüpper) befragt. Damit wollte die FAZ die Situation des deutschen Einzelhandels beleuchten. Der Versuch ist nicht gelungen.
Denn Kreke sorgt sich, wenig überraschend, nicht um die Situation des deutschen Handels, sondern um die Gewinne seines Unternehmens. Dafür ist er schließlich zuständig. Nicht zuständig ist er unter anderem für die deutsche Buchkultur, lediglich für die Umsätze seiner Konzerntochter „Thalia“. Hierzu äußert sich Kreke prägnant. Zukunftschancen für den Gesamtkonzern sieht er in der Buchbranche, denn der Markt sei dort (atypisch) “fragmentiert“. Was will uns Kreke damit sagen? Er meint, es gäbe einfach zu viele inhabergeführte Buchhandlungen und noch viel Platz für noch mehr Thalia-Filialen. Denn inhabergeführte Betriebe sind Ausdruck eines fragmentierten Marktes und aus seiner Sicht kein Wert an sich. Das darf man anders sehen. Inhabergeführte Betriebe, insbesondere Buchhandlungen, sind Ausdruck einer lebendigen Kultur, eines menschlichen Miteinanders und sorgen (auch beim schlichten Einkauf) für eine persönliche Atmosphäre. Denn jeder Inhaber (in fragmentierten Märkten) hat sein eigenes Unternehmens-Profil und keine Standards, ohne die die Ketten operativ nicht funktionieren.
Zurück zu Krekes und damit Thalias Zukunftsaussichten. Weg mit den kleinen Buchhandlungen, mehr Umsatz (Achtung: Wachstum!) bei Thalia.
Aber eine Kultur, die allein in quantitativen Kategorien denkt, ist nicht imstande, solchen unternehmerischen Aussagen, die auf Vernichtung von Konkurrenz und Vernichtung von Vielfalt gerichtet ist, inhaltlich qualitativ etwas entgegenzusetzen.
Ist der Markt erst de-fragmentiert, sprich monopolisiert, bemerken alle den Kulturverlust, die Verarmung unseres Alltags. Dann ist es zu spät.
Vollzogen ist der Prozess schon längst bei den Bäckereien – durchaus ein Thema, denn Brot ist ein originär deutsches Kulturgut. Längst haben Ketten wie „Kamps“ den Markt „defragmentiert“ und flächendeckend die einst handwerklich geführten Bäckereien verdrängt. „Backlinge“ kommen längst preiswert aus Polen und werden nur noch auf Backtemperatur gebracht. Höhepunkt sind die von ALDI in Aussicht gestellten Backautomaten, bei denen jeder Kunde die Polen-Backlinge selbst genussreif erhitzen darf.
Tröstlich, dass es in Bruchsal noch Bäckereien, wie den „Kircher“ und in Forst wie den „Böser“ gibt, die doch tatsächlich traditionell backen und die Bürger mit hoher Qualität erfreuen. Die breite Masse der Bevölkerung kauft dort allerdings nicht mehr ein – das ist schon quantitativ ausgeschlossen.
Halten wir fest, die von Kreke angestrebte De-Fragmentierung der Märkte führt zur trostlosen Monopolisierung des Handels und zur Verarmung der Kultur – da interessiert das Umsatz-Wachstum von Thalia nur noch Aktionäre.
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